Dieser Bereich präsentiert allgemeine Informationen zu den Zusammenarbeiten der drei Künstlerinnen. Bis Ende März werden hier eine Chronologie der Zusammenarbeiten, Ausschnitte aus wissenschaftlichen Beiträgen, neue Statements sowie bibliographische Angaben veröffentlicht.

Chronologie der Zusammenarbeiten

VALIE EXPORT, Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth verfolgen nicht nur vergleichbare thematische und ästhetische Ansätze, sondern es gab auch wiederholt gemeinsame Arbeiten sowie gegenseitige Bezugnahmen in Essays und Interviews. Die folgende Zusammenstellung gibt einen Überblick über diese Werke und Texte:

Chronologie der Zusammenarbeiten

VALIE EXPORT – ELFRIEDE JELINEK

Jelinek über EXPORT
Jelinek geht in ihrer Rede Sich vom Raum eine Spalte abschneiden zur Eröffnung der Retrospektive VALIE EXPORT Split:Reality im Museum Moderner Kunst (20er Haus) in Wien am 24. April 1997 zunächst allgemein auf Kunst von Frauen ein, um dann über VALIE EXPORTs Arbeiten und deren Rezeption zu sprechen. Jelinek betont, dass sich EXPORT in ihrer Kunst gegen das vorhandene, männlich geprägte Gesellschafts- und Kunstsystem richtet und eine eigene Kunstsprache entwickelt hat:

Ich denke also, daß im Fall der Kunst Valie Exports sehr schön nachzuweisen ist, wie jemand, der im ständigen Widerspruch zum offiziellen Vermittlungssystem gearbeitet hat, also einer Gegenwärtigkeit, die sich selbst sagt und auch die Macht dazu hat, diesem oberirdischen System des Herkömmlichen die eigene Erfahrung aufzwingt, die eine ganz andere Sprache spricht. Und so muß jetzt plötzlich doch zugelassen werden, daß gezeigt wird, wie eine Frau etwas ausspricht, das unserer kollektiven Erfahrung besser entspricht als das meiste, das wir sonst zu hören bekommen.

aus: Elfriede Jelinek: Sich vom Raum eine Spalte abschneiden. Zu den Videoinstallationen Valie Exports. http://a-e-m-gmbh.com/wessely/fvalie-1.htm, datiert mit 1997, eingesehen am 24.1.2012 (= Elfriede Jelineks Homepage, Rubrik: zur Kunst).

EXPORT über Jelinek
EXPORT spricht im Interview mit Stefanie Kaplan Kunst als Überschreitung, das in dem von Stefanie Kaplan herausgegeben Buch „Die Frau hat keinen Ort“. Elfriede Jelineks feministische Bezüge (2012) erscheint, über gemeinsame Arbeiten und über Jelineks Sprache:

Mich spricht die Sprache von Elfriede Jelinek sehr stark an, schon immer eigentlich, weil sie einerseits diesen feministischen und andererseits diesen revolutionären Ausdruck hat, und auch revolutionär mit der Sprache selbst umgeht, auch schon in den 70er-Jahren, nicht nur als Feministin. Man ist ja nicht nur Feministin, sondern man hat ja mehrere Persönlichkeiten.

aus: VALIE EXPORT / Stefanie Kaplan: Kunst als Überschreitung. In: Kaplan, Stefanie (Hg.): „Die Frau hat keinen Ort“. Elfriede Jelineks feministische Bezüge. Wien: Praesens Verlag 2012 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE 9), S. 194-205, S. 198-200.

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ELFRIEDE JELINEK – OLGA NEUWIRTH

Neuwirth über Jelinek
Neuwirth geht in ihrem Text Über die Faszination der Texte Elfriede Jelineks für eine/n Komponistin/en und über die Schwierigkeiten einer Realisierung von Partituren mit Texten Elfriede Jelineks, der in dem von Daniela Bartens und Paul Pechmann herausgegebenen Band Elfriede Jelinek – Die internationale Rezeption (1997) erschienen ist, auf die Zusammenarbeit mit Jelinek, auf einzelne gemeinsame Arbeiten sowie auf gemeinsame thematische und ästhetische Ansätze ein und beschreibt, was sie an Jelineks Sprache fasziniert:

Was mich an Elfriede Jelineks Texten immer schon fasziniert hat, um es nur kurz anzureißen, denn ich möchte mir keinen Kommentar zu ihrer Sprache anmaßen, ist: der distanzierte Blick ohne Mitleid auf Menschen und Dinge, die Schärfe der Sprache, der entlarvende Einsatz von sprachlichen Zitaten aus der Alltagswelt sowie die ironische Kälte und der böse Blick des Satirikers, der wie ein Wissenschaftler die Umgebung beobachtet.

aus: Olga Neuwirth: Über die Faszination der Texte Elfriede Jelineks für eine/n Komponistin/en und über die Schwierigkeiten einer Realisierung von Partituren mit Texten Elfriede Jelineks. In: Bartens, Daniela / Pechmann, Paul (Hg.): Elfriede Jelinek – Die internationale Rezeption. Graz: Droschl 1997 (= Dossier extra), S. 220-224, S. 220.

Jelinek über Neuwirth
Jelinek und Neuwirth sprechen im gemeinsamen Interview „Wir sind beide Vampire“, das aus Anlass des Neuwirth-Schwerpunkts bei den Salzburger Festspielen im August 1998 in der Zeitschrift profil erschien, über die Stellung der Kunst von Frauen in der Gesellschaft. Beide betonen die schlechte Situation für Komponistinnen und reflektieren über ihre Zusammenarbeiten und ähnliche Verfahrensweisen:

profil: Ein Kritiker hat Neuwirths ironische Haltung einmal als „transsylvanisches Lächeln“ beschrieben.
Jelinek:
Ja, wir sind beide eher Vampire als Vamps. Vielleicht ist das Vampirische, das Aussaugen, die Methode, sich von überall das zu holen, was man brauchen kann, charakteristisch für weibliche Kunst.

aus: Elfriede Jelinek / Olga Neuwirth / Wolfgang Reiter: „Wir sind beide Vampire“. In: profil, 2.8.1998.

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Katharina Pewny: Gezielte De-Konstruktionen

Katharina Pewny, Professorin für Performance an der Universität Gent, befasst sich in ihrem Beitrag IMPORT EXPORT JELINEK. Einleitende Bemerkungen zu VALIE EXPORTS „Elfriede Jelinek. News from Home. 18.8.88“, der 2007 in dem von Pia Janke herausgegebenen Sammelband Elfriede Jelinek: „ICH WILL KEIN THEATER“. Mediale Überschreitungen erschienen ist, mit dem 1988 entstandenen Video Elfriede Jelinek. News from Home. 18.8.88. Pewny geht auf EXPORTs und Jelineks ästhetische Verfahrensweisen und ihre Vergleichbarkeit ein:

EXPORT, Jelinek und viele andere Künstlerinnen betreiben gezielte De-Konstruktionen von allem, was irgendwie als “natürlich weiblich” gelten könnte: “Natur bin ich, erinnere daher oft an Kunst”, sagt die Vampirin Emily (eine Reminiszenz an die Dichterin Emily Brontë) in Jelineks Theatertext Krankheit oder moderne Frauen, das ebenfalls in den späten achtziger Jahren entstanden ist.1) Beide zeigen Strukturen der symbolischen Ordnung und dementsprechend die strukturelle Unmöglichkeit der Installation einer Subjektposition von Frauen.2) Überdeutlich wird dies in VALIE EXPORTs spektakulärer Aktion Tapp- und Tastkino, als sie einen Karton vor ihre (anscheinend nackte) Brust schnallt, einen Vorhang an der gegenüberliegenden Kartonseite anbringt und Passanten auf der Straße auffordert, mit ihren Händen durch den Vorhang zu greifen – Tapp- und Tastkino. Ich zitiere EXPORT aus dem Konzeptblatt von 1968: „Damit hebt sich der Vorhang, der bisher nur für die Augen sich hob, nun endlich auch für die Hände. […] Denn solange der Bürger mit der reproduzierten Kopie sexueller Freiheit sich begnügt, erspart sich der Staat die reale sexuelle Revolution.“3) VALIE EXPORT führt das Verfahren der Dekonstruktion als gender-, medien- und staatskritisches durch. Medien- und Staatskritik sind per se verflochten, da Bilder Nationen emotional verlebendigen (siehe Benedict Anderson).

1) Jelinek, Elfriede: Krankheit oder moderne Frauen. In: Dies.: Theaterstücke. Reinbek: Rowohlt 1992 (Erstauflage 1987), S. 191-266, S. 195.
2) Eine ausführliche Darstellung und weiterführende Literatur zu den Debatten um Frauen, Feminismus und (bildende) Kunst seit den siebziger Jahren vgl.: Wagner-Kantuser, Ingrid: Interventionen. Feminismus als Methode. In: Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (Hg.): VALIE EXPORT. Mediale Anagramme. Berlin: Neue Gesellschaft für Bildende Kunst 2003, S. 163-183.
3) Aus dem Konzeptblatt für Tapp- und Tastkino (1968), ebd., S. 184.

aus: Katharina Pewny: IMPORT EXPORT JELINEK. Einleitende Bemerkungen zu VALIE EXPORTS „Elfriede Jelinek. News from Home. 18.8.88“. In: Janke, Pia (Hg.): Elfriede Jelinek: „ICH WILL KEIN THEATER“. Mediale Überschreitungen. Wien: Praesens Verlag 2007 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE 3), S. 365-373, S. 368.

Pia Janke: Ironisches Aufbrechen festgefahrener Strukturen

Pia Janke, ao. Univ.-Prof. am Institut für Germanistik der Universität Wien und Leiterin des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums, befasst sich in ihrem Aufsatz Ver-rückte Blicke auf die Wirklichkeit. Elfriede Jelineks Texte zu Olga Neuwirths Hörstücken und Opern (2000) mit gemeinsamen Arbeiten von Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth:

Die Auseinandersetzung mit Elfriede Jelinek nimmt einen ganz speziellen Stellenwert im Schaffen Olga Neuwirths ein. Ist eine größere Öffentlichkeit durch die Uraufführung von Bählamms Fest bei den Wiener Festwochen 1999 – einer Oper Neuwirths, für die Jelinek das Libretto verfasste – auf diese Auseinandersetzung aufmerksam geworden, so ist immer noch wenig bekannt, dass bereits davor mehrere Kompositionen Neuwirths entstanden sind, die auf Texten von Elfriede Jelinek beruhen. Auch die Jelinek-Forschung weiß von diesen Werken kaum etwas – von Werken, denen immerhin Texte wie Raststätte oder Ein Sportstück zugrunde liegen. Ist es mittlerweile zu einem Stereotyp der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Elfriede Jelinek geworden, die quasi-musikalischen Verfahren ihrer Texte hervorzuheben, die „kontrapunktisch“ organisierten Gewebe ideologiehaltiger Sprachpartikel als Sprechpartituren zu klassifizieren, so fehlt bis jetzt jegliche Untersuchung nicht nur des Umgangs der Komponistin Olga Neuwirth mit diesen Texten, sondern auch der spezifischen Übereinstimmungen und Differenzen der ästhetischen Verfahren der beiden Künstlerinnen. Olga Neuwirth selbst hat wiederholt auf Analogien vor allem im Umgang mit dem vorgegebenen Material hingewiesen, so auf Jelineks Art, „ganz anders mit der Umgangssprache umzugehen, um eine künstliche Sprache zu schaffen, oder Klischees aus der Alltagswelt zu verwenden, um sie ironisch zu verzerren und zu persiflieren.“1) Es ist also nicht nur die „Musikalität ihrer Sprache“2), die Neuwirth an Jelinek fasziniert, sondern auch das Aufgreifen von Floskeln und Schablonen, die, indem sie bearbeitet, fragmentiert, isoliert, verformt, deformiert, persifliert, ironisch verfremdet werden, ein neues, ungewohntes Assoziationspotenzial freisetzen bzw. in ihrer ideologischen Substanz zur Kenntlichkeit entstellt werden. Im ironischen Aufbrechen festgefahrener Strukturen besteht eine wesentliche Übereinstimmung des literarischen und des kompositorischen Anliegens von Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth.

1) Reinhard Kager: „Ausgefranste Ränder, stiebende Partikelchen“. Gespräch mit Olga Neuwirth. In: Programmbuch Zeitfluß, Salzburger Festspiele 1995, S. 65.
2) „Der Mensch ist eine Ratte“. Christian Baier im Gespräch mit Olga Neuwirth. In: ÖMZ 5/1991, S. 236-238, S. 238.

aus: Pia Janke: Ver-rückte Blicke auf die Wirklichkeit. Elfriede Jelineks Texte zu Olga Neuwirths Hörstücken und Opern. In: wespennest 118 (2000), 94-102, S. 94-95.

VALIE EXPORT, Stefanie Kaplan: Dekonstruktion der männlich geprägten Vorstellungen

VALIE EXPORT geht im Interview mit Stefanie Kaplan Kunst als Überschreitung, das in dem von Stefanie Kaplan herausgegeben Buch „Die Frau hat keinen Ort“. Elfriede Jelineks feministische Bezüge (2012) erschienen ist, auf vergleichbare thematische und ästhetische Ansätze sowie auf gemeinsame Arbeiten ein. EXPORT spricht über ihre Auseinandersetzung mit traditionellen Geschlechterrollen und über die Darstellung und Fragmentierung des weiblichen Körpers:

Stefanie Kaplan: Die Auseinandersetzung mit traditionellen Geschlechterrollen ist ein Thema, das sowohl Elfriede Jelineks Texte als auch Ihre Arbeit von Anfang an geprägt hat. Jelinek verarbeitet und bearbeitet männlich geprägtes Sprachmaterial, um die darin enthaltenen Machtverhältnisse sichtbar zu machen. Ist Ihr Umgang mit traditionellen Frauenbildern, beispielsweise in den Madonnenfotos wie Geburtenmadonna oder Strickmadonna damit zu vergleichen? Ist das ein ähnliches Verfahren, nur eben auf verschiedenen Ebenen?
VALIE EXPORT:
Ja, sicherlich, aber es sind eben andere Ebenen, andere ästhetische und inhaltliche Ebenen, es sind andere mediale Ebenen, aber ist genau dasselbe Verfahren, dass ich den Kanon der männlich geprägten Vorstellungen untersuche, auseinander nehme und dekonstruiere.
Stefanie Kaplan:
Auch die Beschäftigung mit dem weiblichen Körper und die Darstellung seiner Fragmentierung findet sich in Ihren und Elfriede Jelineks Arbeiten. In Die Klavierspielerin ist das Zerschneiden des eigenen Körpers auch eine Wiederaneignung des männlich besetzten Territoriums. Trifft das auch auf Ihre Arbeit zu, bei der Sie ja häufig den eigenen Körper einsetzen?
VALIE EXPORT:
Ja, natürlich. Das Zerschneiden des eigenen Körpers, aber auch das Sichtbarmachen des eigenen Körpers. Man stellt mir auch immer wieder die Frage, warum ich bei meinen Performances nackt aufgetreten bin. Ich wollte keine Zuordnung der Kleidung, weil ich mir überlegt habe, welches System würden meine Kleider bestätigen oder darstellen, und deshalb war es der nackte Körper. Es war mir auch bewusst, dass er nicht dem Pornografischen zugeordnet werden konnte, obwohl er nackt war. Die Handlung und das, was dort passiert ist, hat so abgelenkt von einer voyeuristischen Betrachtung des nackten Körpers, dass dieses Moment ausgeschlossen war. Ich habe mit sehr vielen Leuten darüber gesprochen, auch mit Männern, und die sagten, es stimmt, es ist einem nicht mehr bewusst, dass der Körper nackt ist.

aus: VALIE EXPORT / Stefanie Kaplan: Kunst als Überschreitung. In: Kaplan, Stefanie (Hg.): „Die Frau hat keinen Ort“. Elfriede Jelineks feministische Bezüge. Wien: Praesens Verlag 2012 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE 9), S. 194-205, S. 204-205.

Margarete Lamb-Faffelberger: “Export’s and Jelinek’s feminist aesthetics is an aesthetics of resistance”

Margarete Lamb-Faffelberger, Professorin am Lafayette College (USA), beschäftigt sich in ihrem Aufsatz Austria’s Feminist Avant-Garde: Valie Export’s and Elfriede Jelinek’s Aesthetic Innovations mit den Gemeinsamkeiten der ästhetischen Verfahren von VALIE EXPORT und Elfriede Jelinek:

Jelinek’s literature as well as Export´s films are directed at undermining the fundamental concepts of our thinking. Traditional premises such as logic and causality are confronted critically to make translucent the established canons and the limits of their truths. In spite of Export´s and Jelinek’s doubt that art today can be used as means for social change, their work nevertheless is directed towards social consciousness-raising.1) Thus, Export’s and Jelinek’s feminist aesthetics is an aesthetics of resistance.
Austria´s feminist avant-garde aesthetics attempts to illuminate the hidden truths shadowed within the deep structure of meaning. Export and Jelinek transform existing images by creating texts of association that chain the conscious to the unconscious – both in the act of art creation and in the reception process. The normative use of language disappears and a new form emerges by releasing meaning, images of the mind that are hidden within the semantic canons of western society.
Export and Jelinek developed a critical art of looking, a kind of seeing which resembles the camera-vision of a photographer.2) The artistic eye is quasi directed through a photographic lens onto the surface structure of society in order to elucidate social processes. When one looks through a camera lens, one sees a view restricted to a topographic segment of the whole. If one zooms in on a particular segment, that section appears enlarged. Details become recognizable. The selected segment – in ist own „blown-up“ character – can be an indication of the actual structure and the true nature of the „big picture.“ Creating their text-collages, the artists arrange and re-arrange their selected segments, segments of surface. By capturing several different enlarged segments and arranging them anew, they deconstruct the whole surface.
It is this artistic technique of deconstructing and creating anew which is subversive. The technique of dismemberment of topographic structures gained through a selective photographic viewpoint inherent in Jelinek’s literary and Export’s film texts exposes the deep-structure of signifiers – or according to Roland Barthes, the notions of myths. The process of exposure is the process of excavating the deep structure by penetrating the topography of images, of language, of meaning.

1) Johann Stangel, Das annulierte Individuum (Bern/New York: Peter Lang, 1988), 14.
2) Günther A. Höfler, „Vergrößerungsspiegel und Objektiv: Zur Fokussierung der Sexualität bei Elfriede Jelinek,“ Elfriede Jelinek, ed. Kurt Bartsch and Günter Höfler (Graz: Droschl, 1991), 157.

aus: Margarete Lamb-Faffelberger: Austria’s Feminist Avant-Garde: Valie Export’s and Elfriede Jelinek’s Aesthetic Innovations. In: Lamb-Faffelberger, Margarete (Hg.): Out from the shadows. Essays on Contemporary Austrian Women Writers and Filmmakers. Riverside: Ariadne Press 1997, S. 229-241, S. 231-232.

Pia Janke, Olga Neuwirth: Die Arbeit mit Intertexten und Zitaten

Olga Neuwirth äußert sich im Gespräch Spiel mit Formen und Bedeutungsebenen mit Pia Janke, das im Rahmen des vom Elfriede Jelinek-Forschungszentrum veranstalteten Symposiums Elfriede Jelinek: ICH WILL KEIN THEATER. Mediale Überschreitungen (2006) geführt wurde, über den Umgang mit Intertexten und Zitaten, der sie mit Jelinek verbindet:

Pia Janke: Kann man Ihre und Jelineks Verfahren miteinander vergleichen? Jelinek arbeitet ja mit vielen Intertexten, mit Verweisen, mit Zitaten, die in neue Kontexte gestellt und klanglich weitergetrieben werden. Gibt es in ihrer Musik ein ähnliches Verfahren?
Olga Neuwirth:
Ich spiele auch gern mit Illusionen und Allusionen, eher im Musiktheater, wo der Text eine bestimmte Aussage hat. Da nehme ich gern Topoi auf, an denen ich mich sozusagen abarbeite. Das ist auch oft bei Jelinek der Fall. Aber die Logik der Musik ist eine andere als die der Literatur. Man kann das nicht vergleichen. Es gibt jedoch bei beiden von uns die Idee, dass man eine Bedeutungsebene, einen Topos, den jeder kennt, in Frage stellt, indem man an ihm kratzt und scheuert oder mit ihm etwas aufzeigt oder auf andere Subebenen hinweist. Das ist ein anregendes Spiel für uns – im Prozess selbst auch –, nicht um aus Prinzip zu irritieren und zu provozieren. Es hat auch mit Technik zu tun.

aus: Pia Janke / Olga Neuwirth: Spiel mit Formen und Bedeutungsebenen. Olga Neuwirth (Wien) im Gespräch mit Pia Janke. In: Janke, Pia (Hg.): Elfriede Jelinek: „Ich will kein Theater“. Mediale Überschreitungen. Wien: Praesens Verlag 2007, S. 410-422, S. 411.

Weiterführende Literatur: Interviews (in Auswahl)

Baier, Christian / Neuwirth, Olga: Der Mensch bleibt eine Ratte. In: Österreichische Musikzeitschrift 5/1991, S. 236-238.

Burger-Utzer, Brigitta / Szely, Sylvia / EXPORT, VALIE: „In der Erweiterung liegt die Möglichkeit zur Veränderung“. In: Szely, Sylvia (Hg.): EXPORT LEXIKON. Chronologie der bewegten Bilder bei VALIE EXPORT. Wien: Sonderzahl 2007, S. 201-228.

Eifler, Margret / Lamb-Faffelberger, Margarete / EXPORT, VALIE: Interview mit Valie Export, am 26. April 1990. In: Lamb-Faffelberger, Margarete: Valie Export und Elfriede Jelinek im Spiegel der Presse. Zur Rezeption der feministischen Avantgarde Österreichs. New York: Lang 1992 (= Austrian culture 7), S. 167-183.

Fastner, Carsten / Neuwirth, Olga: Bin ich ein Dodel? In: Falter 24/1999.

Grissemann, Stefan / Zintzen, Christiane / Jelinek, Elfriede: „…dass dieser Film auch eine Rettung meiner Person ist“. In: Grissemann, Stefan (Hg.): Haneke / Jelinek: Die Klavierspielerin. Drehbuch, Gespräche, Essays. Wien: Sonderzahl 2001, S. 119-136.

Grünzweig, Werner / Jelinek, Elfriede: Elfriede Jelinek: „Kommunaloper“ für Deutschlandsbergs Jungend. In: Neue Zeit, 10.10.1985.

Hirschmann, Christoph / Jelinek, Elfriede: Die Nestbeschmutzerin. In: Format, 31.10.2003.

Hütter, Frido / Jelinek, Elfriede: Ich schulde so vielen so vieles. In: Kleine Zeitung, 10.10.2004.

Janke, Pia / Neuwirth, Olga: Spiel mit Formen und Bedeutungsebenen. Olga Neuwirth (Wien) im Gespräch mit Pia Janke. In: Janke, Pia (Hg.): Elfriede Jelinek: „Ich will kein Theater“. Mediale Überschreitungen. Wien: Praesens Verlag 2007, S. 410-422.

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Weiterführende Literatur: Sekundärliteratur (in Auswahl)

Ballhausen, Thomas: Von Büchern und Bestien. Vampirismus und Lykanthropie in Leonora Carringtons „Das Fest des Lammes“ und Elfriede Jelineks „Bählamms Fest“. In: Quarber Merkur 91/92 (2000), S. 69-80.

Bartens, Daniela / Pechmann, Paul (Hg.): Elfriede Jelinek –  Die internationale Rezeption. Graz: Droschl 1997 (= Dossier extra).

Basting, Barbara: Drastische Töne. Die Komponistin Olga Neuwirth und ihre Zusammenarbeit mit Elfriede Jelinek – unerhörte masochistische Sprache. In: Elfriede Jelinek. Schreiben. Fremd bleiben. du 700 (1999), S. 22-25.

Drees, Stefan (Hg.): Olga Neuwirth. Zwischen den Stuehlen. Salzburg: Verlag Anton Pustet 2008.

Drees, Stefan: Vom Film zum Musiktheater. In: booklet zur CD Olga Neuwirth: Lost Highway. KAIROS, 2007.

Grimmer, Alexandra: Une parenté intellectuelle du premier degré – La collaboration d’Olga Neuwirth et d’Elfriede Jelinek, vue au travers des commentaires des deux artistes. In: Austriaca. Cahiers Universitaires d’Information sur l’Autriche 59 (2004), S. 171-188.

Gruber, Gerold W.: Das Zerbrechen der Sprache. Über die Literatur-Vertonungen der Wiener Komponistin Olga Neuwirth. In: wespennest 114 (1999), S. 68-77.

Gruber, Gerold W.: Leonora Carrington und Olga Neuwirth. In: Österreichische Musikzeitschrift 5 / 1999, S. 11-17.

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