Dieser Bereich widmet sich den ästhetischen Verfahren, Medientransformationen und Vernetzungen in den Werken der drei Künstlerinnen, insbesondere in Hinblick auf das Thema Stimme, sowie dem Lachen der Frau als subversive Strategie. Bis Ende März werden hier Ausschnitte aus wissenschaftlichen Aufsätzen, neue Beiträge und Videostatements sowie Videos von Vorträgen, die im Rahmen des Symposiums des Elfriede Jelinek-Forschungszentrums gehalten werden, veröffentlicht.

Petra Maria Meyer: Reibungen oder Das Widersprüchliche an sich selbst

Petra Maria Meyer, Professorin am Institut für Kunst-, Design- und Medienwissenschaften der Muthesius Kunsthochschule, beschäftigt sich in ihrem Vortrag Reibungen oder Das Widersprüchliche an sich selbst, der im Rahmen des Symposiums (ach, Stimme!) VALIE EXPORT, ELFRIEDE JELINEK, OLGA NEUWIRTH am 15.3.2012 gehalten wurde, mit den intermedialen Transformationsprozessen in den Werken der Künstlerinnen am Beispiel von Elfriede Jelineks Hörspiel Für den Funk dramatisierte Ballade von drei wichtigen Männern sowie dem Personenkreis um sie herum, das Olga Neuwirth zur Oper Körperliche Veränderungen verarbeitete, sowie VALIE EXPORTs Performancefilm I turn over the pictures of my voice in my head und den dazu verfassten Essay Ungeduldetes, ungeduldiges Sichverschließen (ach, Stimme!) von Elfriede Jelinek.

Petra Unger: Wortgewalt – Bildgewalt – Tongewalt

Petra Unger, Kulturvermittlerin und Referentin für feministische Bildung und Politik, widmet sich in ihrem Videostatement dem Sprechen in den verschiedenen Kunstformen und Medien, derer sich VALIE EXPORT, Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth in ihren Arbeiten bedienen, und ihren subversiven Strategien, mit denen die drei Künstlerinnen der gesellschaftlichen Gewalt gegen Frauen entgegenwirken:

Stefan Drees: „… in einer virtuellen Neuerschaffung und musikalischen Überhöhung“ Olga Neuwirths Umgang mit Text und Sprache Elfriede Jelineks

Stefan Drees, Musikwissenschaftler, freier Autor und Dozent, widmet sich in seinem Vortrag „… in einer virtuellen Neuerschaffung und musikalischen Überhöhung“ Olga Neuwirths Umgang mit Text und Sprache Elfriede Jelineks, der im Rahmen des Symposiums (ach, Stimme!) VALIE EXPORT, ELFRIEDE JELINEK, OLGA NEUWIRTH am 20.3.2012 gehalten wurde, mit Olga Neuwirths Bearbeitungen von Elfriede Jelineks Texten. In dem ausgewählten Ausschnit beschäftigt er sich mit dem Musiktheater Bählamms Fest, zu dem Elfriede Jelinek nach der Vorlage von Leonora Carringtons Theaterstück Baa-Lambs Holiday (1940) das Libretto verfasste und Olga Neuwirth die Musik komponierte.

Karin Hochradl: Stimme, Klang und intermediales Arbeiten bei Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth

Die Germanistin und Musikwissenschaftlerin Karin Hochradl befasst sich in ihrem Beitrag mit der Erzeugung und Verfremdung von Stimmen und Klängen in den intermedialen Zusammenarbeiten von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek.

Karin Hochradl: Eine Annäherung an den Einsatz von Stimme, Klang und intermedialem Arbeiten bei Elfriede Jelinek und Olga Neuwirth

 

Gerold W. Gruber: Intermedialität in der Musik Olga Neuwirths

Gerold W. Gruber, ao. Univ.-Prof. an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, befasst sich in seinem Aufsatz Intermedialität in der Musik Olga Neuwirths, insbesondere der Jelinek Vertonungen, der 2007 in dem von Pia Janke herausgegebenen Band „Ich will kein Theater“. Mediale Überschreitungen erscheinen ist, mit Werken Olga Neuwirths, die auf der Grundlage von Texten von Elfriede Jelinek entstanden sind.

Im O-Ton der unbeugsamen Komponistin Olga Neuwirth aus einem Text über Elfi und Andi:
“Eigentlich interessiert mich im Umgang mit den Texten das Wissen, daß wir Komponisten, grob gesagt, Usurpatoren im Land der Literaten sind. Dennoch, so glaube ich, kann durch ein Text-Musikgewebe etwas Neues, Eigenes entstehen, auch wenn Sprache und ihre immanenten Strukturen nicht mehr wirklich zu verstehen sind. Wir können diesen Texten aber in einer virtuellen Neuschaffung und musikalischen Überhöhung – also einer neuen Aura, die Vielfalt, Musikalität, Komplexität und Schärfe des jeweiligen Dichters zurückgeben, oder?”1)
In dieser rhetorischen Frage „oder?“ baut Neuwirth gleichsam ihre Rechtfertigung auf: wenn die Strukturen der Sprache bloßgelegt werden, dann erhebt sich der Anspruch der Musik, diese (die Sprache) wieder neu zu errichten; wenn die Semantik durch Textunverständlichkeit unterlaufen wird, dann sollte zumindest die Musik um die auseinanderdriftende und in Auflösung befindliche Komplexität wieder einen neuen, jetzt aber mehrdimensionalen Korpus entstehen lassen, der dieses Fehlen an Semantik und das Zerbrechen der Syntax einigermaßen kompensieren kann. Am deutlichsten wird diese „usurpatorische“ Anstrengung in dem nur durch elektronische Verzerrung erreichbaren „voice-morphing“. Die menschliche Stimme wird im Frequenzspektrum moduliert, sodass ungewöhnliche scharfe oder weiche Klangnuancen hörbar werden. Nach der Komponistin Wunsch verwandelt sich die Singstimme in einen heulenden Wolf und überzeichnet den Ausdruck der menschlichen Singstimme als eine „zum Heulen“ geeignete. Überdies kann das „voice-morphing“ die menschliche Singstimme vollständig ihrer Menschlichkeit und Tierhaftigkeit entkleiden und zur Instrumentalstimme degradieren – ein Akt der Entleibung gewissermaßen. Als eine analoge Form des digitalen „morphing“ setzt Neuwirth die beinahe kastratenhaft wirkende Stimmlage eines Countertenors ein, dessen androgyne Anlage Neuwirth besonders interessiert (ihr Interesse an dem androgynen Popbarden Klaus Nomi hat sie ja auch bereits in einer Komposition bekundet). Kraft ihrer profunden und virtuosen Kenntnis der Kompositionstechniken vermag Olga Neuwirth dem Text-Musik-Konstrukt darüber hinaus noch skurrile, groteske und satirische Facetten abzugewinnen.

1) Neuwirth Olga: Notizen während der Arbeit zu „Elfi und Andi“. In: Programmbuch der Wittener Tage für neue Kammermusik 1997, S. 68-69, S. 68.

aus: Gerold W. Gruber: Intermedialität in der Musik Olga Neuwirths, insbesondere der Jelinek Vertonungen. In: Pia Janke (Hg.): „Ich will kein Theater“. Mediale Überschreitungen. Wien: Praesens Verlag 2007, S. 401-409, S. 403-404.

Ramón Reichert: „Elfriede Jelinek. News from Home 18.8.88“ Zum intermedialen Dialog zwischen VALIE EXPORT und Elfriede Jelinek

In seinem Vortrag “Elfriede Jelinek. News from Home 18.8.88″ Zum intermedialen Dialog zwischen VALIE EXPORT und Elfriede Jelinek, der im Rahmen des Symposiums (ach, Stimme!) VALIE EXPORT, ELFRIEDE JELINEK, OLGA NEUWIRTH am 15.3.2012 gehalten wurde, beschäftigt sich Ramón Reichert, Gastprofessor am Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien, mit VALIE EXPORTs Video Elfriede Jelinek. News from Home 18.8.88, bei dem sie Elfriede Jelinek beim Ansehen der Zeit im Bild filmt.

Michaela Wünsch: Stimme und Blick

Michaela Wünsch, Kulturwissenschaftlerin, beschäftigt sich in ihrem Vortrag Stimme und Blick, der im Rahmen des Symposiums (ach, Stimme!). VALIE EXPORT, ELFRIEDE JELINEK, OLGA NEUWIRTH, der am 13.3.2012 gehalten wurde, mit der körperlichen Stimme als Unheimliches am Beispiel von  VALIE EXPORTs Performancefilm I turn over the pictures of my voice in my head, zu der Jelinek den Essay Ungeduldetes, ungeduldiges Sichverschließen (ach, Stimme!) verfasste.

Susanne Lummerding: SEX/Geschlecht, Medialität und das Politische

In ihrem Aufsatz SEX/Geschlecht, Medialität und das Politische – Zur Re-Definition einer Kategorie, der 2008 in dem Band Performativität und Performance erschienen ist, entwickelt die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Susanne Lummerding eine auf politischer Handlungsfähigkeit basierende Theorie der Medialität und lotet dabei die Grenzen von Judith Butlers Konzept der Performativität aus.

aus: Susanne Lummerding: SEX/Geschlecht, Medialität und das Politische