ELFRIEDE JELINEK – OLGA NEUWIRTH

Neuwirth über Jelinek
Neuwirth geht in ihrem Text Über die Faszination der Texte Elfriede Jelineks für eine/n Komponistin/en und über die Schwierigkeiten einer Realisierung von Partituren mit Texten Elfriede Jelineks, der in dem von Daniela Bartens und Paul Pechmann herausgegebenen Band Elfriede Jelinek – Die internationale Rezeption (1997) erschienen ist, auf die Zusammenarbeit mit Jelinek, auf einzelne gemeinsame Arbeiten sowie auf gemeinsame thematische und ästhetische Ansätze ein und beschreibt, was sie an Jelineks Sprache fasziniert:

Was mich an Elfriede Jelineks Texten immer schon fasziniert hat, um es nur kurz anzureißen, denn ich möchte mir keinen Kommentar zu ihrer Sprache anmaßen, ist: der distanzierte Blick ohne Mitleid auf Menschen und Dinge, die Schärfe der Sprache, der entlarvende Einsatz von sprachlichen Zitaten aus der Alltagswelt sowie die ironische Kälte und der böse Blick des Satirikers, der wie ein Wissenschaftler die Umgebung beobachtet.

aus: Olga Neuwirth: Über die Faszination der Texte Elfriede Jelineks für eine/n Komponistin/en und über die Schwierigkeiten einer Realisierung von Partituren mit Texten Elfriede Jelineks. In: Bartens, Daniela / Pechmann, Paul (Hg.): Elfriede Jelinek – Die internationale Rezeption. Graz: Droschl 1997 (= Dossier extra), S. 220-224, S. 220.

Jelinek über Neuwirth
Jelinek und Neuwirth sprechen im gemeinsamen Interview „Wir sind beide Vampire“, das aus Anlass des Neuwirth-Schwerpunkts bei den Salzburger Festspielen im August 1998 in der Zeitschrift profil erschien, über die Stellung der Kunst von Frauen in der Gesellschaft. Beide betonen die schlechte Situation für Komponistinnen und reflektieren über ihre Zusammenarbeiten und ähnliche Verfahrensweisen:

profil: Ein Kritiker hat Neuwirths ironische Haltung einmal als „transsylvanisches Lächeln“ beschrieben.
Jelinek:
Ja, wir sind beide eher Vampire als Vamps. Vielleicht ist das Vampirische, das Aussaugen, die Methode, sich von überall das zu holen, was man brauchen kann, charakteristisch für weibliche Kunst.

aus: Elfriede Jelinek / Olga Neuwirth / Wolfgang Reiter: „Wir sind beide Vampire“. In: profil, 2.8.1998.

Neuwirth über Jelinek
Neuwirth beschreibt im Interview mit Pia Janke mit dem Titel Spiel mit Formen und Bedeutungsebenen, das in dem von Pia Janke herausgegebenen Band Elfriede Jelinek: „ICH WILL KEIN THEATER“. Mediale Überschreitungen (2007) erschienen ist, die Art der Zusammenarbeit mit Jelinek. Sie berichtet über gemeinsame Projekte und die Arbeit mit Jelineks Texten:

Das Faszinierende für mich an Elfriede Jelineks Texten ist, dass es so viele Ebenen gibt und man keine ausschließen kann. Das ist ja auch das Problem bei den Übersetzungen. Wenn die Klanglichkeit ihrer Sprache und die Sprachspiele verschwinden, bleibt nur noch der Inhalt übrig. Aber Jelinek ist nicht nur Inhalt, sondern Jelinek ist auch die darüber gelegte bzw. integrierte Klangsprache oder der Sprachklang.

aus: Olga Neuwirth / Pia Janke: Spiel mit Formen und Bedeutungsebenen. Olga Neuwirth (Wien) im Gespräch mit Pia Janke. In: Janke, Pia (Hg.): Elfriede Jelinek: „ICH WILL KEIN THEATER“. Mediale Überschreitungen. Wien: Praesens Verlag 2007 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE 3), S. 410-422, S. 412.

Jelinek über Neuwirth
Jelinek schreibt in ihrem Essay Musik und Furcht (einige Überlegungen zu den „Instrumental-Inseln“ von Olga Neuwirth), der im booklet zu Neuwirths CD Vampyrotheneone, Instrumental-Inseln aus „Bählamms Fest“ (2001) erschienen ist,  über die gemeinsame Arbeit Bählamms Fest, aber auch allgemein über Neuwirth als Komponistin und das Besonderere ihrer Musik:

Olga Neuwirths Musik ist, und das ist das eigentlich Bedrohliche für mich, ein ununterbrochenes Herankommen, aber gleichzeitig Fernbleiben, sie bleibt von sich selbst verhüllt. Das ist ja das Furchtbare: daß, was da ist oder war oder sein wird, verhüllt ist, aber man weiß: es ist furchtbar. Man kann ihr begegnen, bevor sie einen trifft, diese Musik, aber ausweichen kann man nicht. Da ist eben dieses unaufhörliche Herannahen, das nie ankommt, man hebt schon die Hände, um wenigstens das Gesicht zu schützen, aber es ist nicht da. Es nähert sich, aber es ist nicht da. Es ist entsetzlich, aber es ist nicht da.

aus: Elfriede Jelinek: Musik und Furcht (einige Überlegungen zu den „Instrumental-Inseln“ von Olga Neuwirth). In: booklet zur CD Olga Neuwirth: Vampyrotheneone, Instrumental-Inseln aus „Bählamms Fest“, Hooloomooloo. KAIROS, 2001.

Neuwirth über Jelinek
Neuwirth spricht im Interview mit Pia Janke Spiel mit Formen und Bedeutungsebenen, das in dem von Pia Janke herausgegebenen Band Elfriede Jelinek: „ICH WILL KEIN THEATER“. Mediale Überschreitungen (2007) erschienen ist, über die intermediale Verfahrensweise, die sie mit Jelinek verbindet:

Wir sind, glaube ich, keine Puristen, und daher schwer fassbar. Wir haben uns immer auch für alle anderen Kunstsparten und ihre inhärenten Ausdrucksmöglichkeiten interessiert. Aber das „wir“ klingt so anmaßend, denn ich kann ja nicht für sie sprechen. Dennoch denke ich, dass es auf diesen Ebenen Analogien gibt, dadurch haben wir uns ja auch aneinander annähern können. Wir haben uns in unserem Leben aber dennoch dafür entscheiden, von dem wir glaubten, dass darin unsere stärkste Ausdrucksfähigkeit liegt, falls man das so sagen kann. Dennoch saugen wir alles auf. Die Sparten können sich auch gegenseitig durchdringen und dadurch zu einer neuen, anderen Form, zu einem Hyper-Text bzw. -Musik werden.

aus: Olga Neuwirth / Pia Janke: Spiel mit Formen und Bedeutungsebenen. Olga Neuwirth (Wien) im Gespräch mit Pia Janke. In: Janke, Pia (Hg.): Elfriede Jelinek: „ICH WILL KEIN THEATER“. Mediale Überschreitungen. Wien: Praesens Verlag 2007 (= DISKURSE.KONTEXTE.IMPULSE 3), S. 410-422, S. 412.