Pia Janke, Olga Neuwirth: Die Arbeit mit Intertexten und Zitaten

Olga Neuwirth äußert sich im Gespräch Spiel mit Formen und Bedeutungsebenen mit Pia Janke, das im Rahmen des vom Elfriede Jelinek-Forschungszentrum veranstalteten Symposiums Elfriede Jelinek: ICH WILL KEIN THEATER. Mediale Überschreitungen (2006) geführt wurde, über den Umgang mit Intertexten und Zitaten, der sie mit Jelinek verbindet:

Pia Janke: Kann man Ihre und Jelineks Verfahren miteinander vergleichen? Jelinek arbeitet ja mit vielen Intertexten, mit Verweisen, mit Zitaten, die in neue Kontexte gestellt und klanglich weitergetrieben werden. Gibt es in ihrer Musik ein ähnliches Verfahren?
Olga Neuwirth:
Ich spiele auch gern mit Illusionen und Allusionen, eher im Musiktheater, wo der Text eine bestimmte Aussage hat. Da nehme ich gern Topoi auf, an denen ich mich sozusagen abarbeite. Das ist auch oft bei Jelinek der Fall. Aber die Logik der Musik ist eine andere als die der Literatur. Man kann das nicht vergleichen. Es gibt jedoch bei beiden von uns die Idee, dass man eine Bedeutungsebene, einen Topos, den jeder kennt, in Frage stellt, indem man an ihm kratzt und scheuert oder mit ihm etwas aufzeigt oder auf andere Subebenen hinweist. Das ist ein anregendes Spiel für uns – im Prozess selbst auch –, nicht um aus Prinzip zu irritieren und zu provozieren. Es hat auch mit Technik zu tun.

aus: Pia Janke / Olga Neuwirth: Spiel mit Formen und Bedeutungsebenen. Olga Neuwirth (Wien) im Gespräch mit Pia Janke. In: Janke, Pia (Hg.): Elfriede Jelinek: „Ich will kein Theater“. Mediale Überschreitungen. Wien: Praesens Verlag 2007, S. 410-422, S. 411.